Eine Idee kann, in Gestalt einer Rede, eines Songs oder einer Geschichte, Denken und Handeln von Millionen verändern. Eine gute emotional aufgeladene Rede bringt die Zuhörer nicht nur dazu aufmerksam zuzuhören, sondern auch dazu, dasselbe zu fühlen wie der Redner oder die Rednerin. Die Perspektive des Redners wird unbewusst übernommen und so können die Zuhörer dazu animiert werden, das Anliegen des Redners zu unterstützen. Die Gehirne der Zuhörer werden vereinheitlicht. Um das zu erreichen, müssen die Zuhörer am Anfang allerdings in die gleiche emotionale Lage versetzt werden.
Wenn Du am Anfang einer Rede eine witzige Anekdote erzählst, dann sind alle Zuhörer danach in der Lage die Botschaft, die Du danach übermitteln möchtest, so zu deuten wie Du es verstanden haben möchtest.
Gefühle sind eine der intensivsten Möglichkeiten, einander zu beeinflussen
Unsere Gehirne sind so angelegt, dass sie einander Emotionen rasch übermitteln können. Offenbar ist die Fähigkeit angeboren, Freude, Schmerz und Stress anderer mitzufühlen. Diese Übertragung funktioniert zum einen durch unbewusste Nachahmung und zum anderen durch eine schlichte Reaktion auf emotionale Reize. Stimmung beeinflusst nicht nur Stimmung, sondern auch Verhalten.
Du musst Dir also merken, dass Du anderer Leute Emotionen allein dadurch veränderst, dass Du selbst diese Emotion hast. Wenn Du also gestresst bist, wirkt sich das auf das emotionale Verhalten aller aus, die mit Dir zusammenarbeiten. Wer beeinflusst am meisten in Deiner Abteilung die Stimmung und damit das Verhalten der Kollegen und Kolleginnen? Beobachte bitte in der nächsten Woche mal die Stimmung im Team und inwieweit Du in der Lage bist durch Deine emotionale Stimmung die Stimmung im Team zu verändern. Was bedeutet das für die Arbeitsleistung?
Ein anderer sehr interessanter Punkt sind die Anreize, etwas zu tun oder etwas nicht zu tun. Wenn Du möchtest, dass Deine Mitarbeiter etwas aktiv machen sollen, musst Du aktiv belohnen, damit eine „Go-Reaktion“ des Gehirns ausgelöst wird.
Ich mache mal ein Beispiel:
Ein Kunde droht, die Geschäftsbeziehungen abzubrechen, sollte der Chef es nicht schaffen, die Kosten des gemeinsamen Projektes binnen eines Monats um 20 Prozent zu kürzen.
Er hätte mit seinen Leuten so reden können:
„Hört zu, wir haben ein ernsthaftes Problem. Unser Kunde droht, sich jemand anderen zu suchen und seine Millionen mitzunehmen, wenn wir nicht sehr schnell eine Möglichkeit finden, das Projektbudget um 20% zu kürzen. Lasst uns loslegen und alles geben damit es nicht so weit kommt!“
Ja, aber er entschied sich für eine andere Herangehensweise:
„Leute, wir haben eine Herausforderung zu meistern. Wir müssen Möglichkeiten finden, das Budget unseres Klienten um 20% zu kürzen, damit wir ihn halten und ordentlich Geld verdienen können. Ich habe unser Ziel in großen Buchstaben auf die Tafel im Aufenthaltsraum geschrieben. Wir schreiben ab jetzt jeden Tag daneben, wie weit wir gekommen sind. Los geht’s!“
Das Team sprühte vor Tatendrang. Es hielt seine Fortschritte auf der Tafel fest, freute sich schneeköniglich über jeden Fortschritt und schoss am Ende sogar über das Ziel hinaus.
Die Hirnforschung hat eindeutig bewiesen, dass unmittelbarer Lohn besser funktioniert als fernes Unheil anzukündigen. Diese Erkenntnis ist allerdings nicht leicht umzusetzen. Wenn das eigene Kind keine Jacke anziehen will, obwohl es draußen kalt ist, was sagst Du dann? „Zieh Deine Jacke an, sonst erkältest Du Dich!“ Sagen solltest Du aber „Deine Jacke ist kuschelig und warm und Du bleibst so gesund und kannst auf den Geburtstag Deiner Freundin gehen!“
Der positive Anreiz löst die „Go-Reaktion“ im Gehirn aus, die Jacke anzuziehen.
Deine Hausaufgabe
Beobachte Dich bitte mal genau, wie Du versuchst, Deine Mitarbeiter dazu zu bewegen etwas bestimmtes zu tun. Gibst Du einen Anreiz, der direkt zu sehen ist oder zeigst Du negative Auswirkungen in der Zukunft auf?